Historie

1811 / 13 baute Christian Haan (1783 – 1857),der Mitbegründer der Casino – Gesellschaft in Koblenz, auf dem Gelände der alten Lohmühle im Elztal zu Moselkern eine von den Zeitgenossen sogenannte „Neue Mühle“ nach englischem Gebäudevorbild und gründete die Decken- und Flanellfabrik C. Haan & Söhne.

Die Mühle wurde über einen von der Elz abgeleiteten Mühlgraben mit Wasser versorgt. Das dazu gehörende Wehr liegt etwa 8oom bachaufwärts. Diese Haan´sche Fabrik war damals erst der zweite fabrikmässige Gewerbebetrieb im Kreis Cochem und vereinigte sämtliche Arbeitsgänge für die Fertigung von Streichgarngeweben. Sie war somit ein vollständiger Textilbetrieb (Spinnerei / Weberei / Walkerei (mit Appretur) / Färberei). Zu jener Zeit war das eher noch eine Ausnahme, später charakteristisch für die deutsche Streichgarnindustrie. Das weiche Wasser und die Wasserkraft der Elz spielten die zentrale Rolle bei der Herstellung von Streichgarngeweben.

 

Ab 1854 erwarb Christians Sohn Paul Haan (1811 – 1893) die Moselkerner Decken- und Flanellfabrik und leitete sie bis Ende 1871. Paul Haan verkaufte die Fabrik an seine Söhne Julius und Heinrich Haan.

1873 zahlte Heinrich Haan (1847 – 1938) seinen Bruder Julius aus und übernahm die Fabrik in alleinigen Besitz. Heinrich Haan erwarb 1888 zusätzliches Land auf den sog. Mühlwassern von der Gemeinde, baute die Fabrik aus zum heutigen Umfang und modernisierte die Maschinen und Anlagen einschliesslich moderner Dampfkessel – Versorgung.

1892 baute Heinrich Haan sich eine Villa mit Blick auf Felsabhänge des Druidensteins gegenüber Moselkern.

1897 verbreitert er den Mühlbach-Graben und stattet ihn mit einem neuen Wehr aus. Die Gemeinde Moselkern nahm dies zum Anlass, den öffentlichen Weg ins Elztal bis zum Felsenkeller strassenförmig auszubauen und bestätigte der Familie Haan bei dieser Gelegenheit ausdrücklich ihr Wasserrecht an der Elz.

1913 wurde eine neue Turbine eingebaut. Elektrischen Strom gab es erst um 1920, bis dahin wurde mit Petroleumhängelampen beleuchtet.

 

Bei allem unternehmerischen Erfolg galt Heinrichs Fürsorge auch den Beschäftigten der Moselkerner Decken- und Flanellfabrik. So sind 1903 auf seine Veranlassung und Unterstützung hin die Schwestern der „Dienerinnen vom Heiligsten Herzen Jesu,“ die ihr Mutterhaus in Wien hatten, nach Moselkern gekommen und haben sich bis 1969 im „Haus Nazareth“ sozial und medizinisch betätigt.

1914 übernahm Heinrichs Sohn Heinz Haan (1883 – 1944) die Leitung der Fabrik. Die beiden Weltkriege mit ihren wirtschaftlichen Mangelzeiten führten leider zum Niedergang
der Haan´schen Decken- und Flanellfabrik bis zur Stilllegung.

1945 gelang die Verpachtung an den Direktor der Bedburger Wollindustrie, Bertil Brunnström, bzw. nach dessen Tod an seine Tochter und Schwiegersohn Fuhrmann. Ihre Firma Moselkerner Wollindustrie ging nach dem verheerenden Hochwasser 1993 in Konkurs.

Seit 2012 wird versucht, die unter Denkmalsschutz stehenden Liegenschaften wieder mit Leben zu erfüllen.